Solidarität ist nicht teilbar

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Nun also doch: Keine Fusion, keine Teilung. Dafür ein neues Konzept für die tk AG, das in der Presse mal als „Radikalumbau“, mal als „Stahlgewitter“ bezeichnet wird. Auslöser für diese Kraftausdrücke waren die Onlinemeldungen vom 10. Mai: Geplanter Stellenabbau von 6.000 Arbeitsplätzen bei thyssenkrupp – betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen! Das war kein „Gewitter“ – das kam einem Hagelsturm gleich.

Einschub: Den folgenden Text haben wir anlässlich der Teilung im Oktober 2018 fast wortgleich geschrieben, und er passt über ein halbes Jahr später schon wieder und immer noch: „Während die Börse jubelte, waren die Beschäftigten in den Betrieben fassungslos – und die IG Metall extrem verärgert. Denn Anstand und Respekt gebieten, dass 160.000 Beschäftigte nicht durch Onlinemeldungen erfahren, was aus ihnen und ihren Arbeitsplätzen wird. Aber auch hier zeigt sich mal wieder, dass Finanzmärkte nichts mit Anstand und Respekt am Hut haben.“

Doch zurück thyssenkrupp: Mittlerweile hat der Aufsichtsrat die Pläne des Vorstands für eine Neuausrichtung des Konzerns beschlossen. Basis und Bestandteil dieses Beschlusses ist eine Grundlagenvereinbarung, die IG Metall und KBR noch am Abend des 10. Mai mit der Konzernleitung abgeschlossen haben.

„Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Die getroffene Vereinbarung bestimmt die Spielregeln für den Konzernumbau. Das gibt den Beschäftigten Sicherheit – die roten Linien sind gezogen.“, sagt Markus Grolms, der als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender für die IG Metall seit Jahren die Arbeitnehmerbank anführt. Und weiter: „Sollten in Zukunft Unternehmen verkauft oder verselbständigt werden, muss in jedem Fall (!) zunächst eine Fair-Owner-Vereinbarung mit der IG Metall getroffen werden.“ Tarifflucht ist damit ausgeschlossen, die Mitbestimmung wird in allen Bereichen abgesichert.

Was aber genau steckt nun in der „grundlegenden Neuausrichtung“ des Konzerns? Von besseren Entwicklungsmöglichkeiten „der Geschäfte“ ist hier die Rede, von mehr Eigenständigkeit, einem flexiblen Portfolio und von einer „neuen Organisationsstruktur“. Übersetzt heißt letzteres, dass die Konzernzentrale als schlanke Dachgesellschaft erhalten bleiben soll – die Betonung liegt hier aber eher auf „schlank“.


Zerschlagen, Kasse machen, weiterziehen? Vergesst es!

Die Nachricht, dass Elevator, das Tafelsilber von thyssenkrupp, an die Börse gebracht werden könnte, lies die Aktienkurse Purzelbäume schlagen – ausschließlich nach oben versteht sich. So manch Kapitalmarkthai witterte schon Morgenluft. Jörg Hofmann, der Erste Vorsitzende der IG Metall, kritisiert dieses Gebaren scharf: „Wenn thyssenkrupp ankündigt, dass 6000 Stellen wegfallen sollen und dann der Börsenkurs um 28 Prozent in die Höhe schnellt, müssen sich die Beschäftigten als Spielball der Profitinteressen von Finanzinvestoren fühlen.“

Auch der Konzern hat andere Pläne: Mit einem (Teil-)Börsengang von Elevator möchte der Vorstand Geld in die angeschlagene Kasse spülen. Sollte es dazu kommen, wird der Börsengang in Deutschland stattfinden, das haben wir ausdrücklich festgeschrieben. Dadurch ist die Mitbestimmung auch in Zukunft gesichert. Mit den Einnahmen wolle man „die Weiterentwicklung der einzelnen Unternehmen im Konzern vorantreiben“, sagt der Vorstandsvorsitzende Guido Kerkhoff. Das dürfte auch den Ministerpräsidenten von NRW, Armin Laschet, freuen, der sich in einem Gespräch mit Kerkhoff und Grolms am 11. Mai bestätigen lies, dass das Kapital nach einem möglichen Börsengang im Konzern bleibe und in die Zukunftsfähigkeit der einzelnen Bereiche investiert werde. In diesem Punkt ist er mit der IG Metall einer Meinung.

Wir bleiben wachsam: „Wir gegen Gier“ heißt unsere Losung. Das Logo dazu liegt schon in der Schublade.


Schluss mit der Verunsicherung im Stahl. Jetzt. Sofort.

Im Stahl kochten die Gemüter am 10./11. Mai auf Hochofen-Temperatur. Die Ankündigung von betriebsbedingten Kündigungen war ein Schlag ins Gesicht der Stahlbelegschaften. Hatten die Stahlarbeiter/innen sich doch im Fall der – von uns übrigens nie gewollten – Fusion, eine Beschäftigungs- und Standortsicherung bis 2026 erkämpft. Diese Regelung wurde nun in einem Ergänzungstarifvertrag, den die IG Metall in Windeseile mit dem Vorstand abschloss, bis zum Jahresende übernommen. Das verschafft etwas Luft. Aber der Vorstand muss nun zügig ein Zukunftskonzept für den Stahl auf den Tisch legen. Kerkhoff sicherte am 21. Mai zeitnahe Gespräche mit der Mitbestimmung zu. Tekin Nasikkol, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von tk steel sagt dazu kurz, knapp und unmissverständlich: „Die in den letzten Tagen entstandene Unsicherheit muss sofort ein Ende haben und betriebsbedingte Kündigungen sind ein Tabu.“ Dem ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht einem Basta. Und das gilt auch über den Jahreswechsel hinaus.

Der Handel bleibt nun zusammen mit Stahl das Kerngeschäft des Konzerns. Kerkhoff erklärte, dass Stahl und Handel den Konzern groß gemacht haben. „Es sind Geschäfte, die wir gut verstehen“, zitiert ihn ntv online.


Noch wenig Klarheit für Industrial Solutions, Marine Systems und Component Technology

Verkäufe oder Partnerschaften – hier ist noch ziemlich viel offen. Klar ist nur, dass auch hier unsere Grundlagenvereinbarung greift. Einen Ausverkauf an windige Übernahmekandidaten werden wir nicht zulassen. Bei CT wird eine Führungsgesellschaft mit einem Aufsichtsrat gebildet werden. Das ist de facto eine Stärkung der Mitbestimmung.

Der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, Dirk Sievers, bringt es klar auf den Punkt: „Wir beteiligen uns nicht an irgendwelchen Spekulationen und werden das auch nicht tun. Der Vorstand hat den Auftrag bekommen, das Konzept für den Konzernumbau auszuarbeiten – jetzt muss er liefern. Einseitige Lösungen zu Lasten der Beschäftigten werden wir nicht mittragen. Da gibt es nichts zu rütteln.“

Aber: Auch und gerade in diesen Bereichen gilt, dass die Mitbestimmung letztendlich nur so stark ist, wie die Belegschaften, die hinter ihr stehen. Auf unseren Zusammenhalt kommt es an, in diesen Zeiten mehr denn je! Eine starke, selbstbewusste und gut organisierte Belegschaft ist der beste Garant für eine Zukunft mit Perspektiven. Wir werden uns in den nächsten Wochen und Monaten engagiert einmischen müssen. Denn: Es geht um uns.

 

 

 

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